EFRAG – European Financial Reporting Advisory Group

Die Organisation hinter den europäischen Nachhaltigkeitsstandards

Wer sich mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der CSRD beschäftigt, stößt schnell auf vier Buchstaben: EFRAG. Die European Financial Reporting Advisory Group ist die Organisation, die im Auftrag der EU-Kommission die ESRS ausarbeitet, also die Standards, nach denen berichtspflichtige Unternehmen in Europa ihre Nachhaltigkeitsinformationen offenlegen. EFRAG schreibt kein Gesetz, sondern liefert die fachlichen Entwürfe. Rechtsverbindlich werden die Standards erst, wenn die Kommission sie als delegierten Rechtsakt erlässt.

Herkunft und Aufbau

EFRAG wurde 2001 als private Vereinigung nach belgischem Recht mit Sitz in Brüssel gegründet. Ursprünglich hatte sie eine einzige Aufgabe: die EU-Kommission bei der Übernahme der internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS zu beraten. Getragen wird EFRAG von europäischen Verbänden der Wirtschaft, der Wirtschaftsprüfer, der Finanzbranche und von nationalen Standardsetzern, darunter das deutsche DRSC. Die Finanzierung stammt aus Beiträgen der Mitglieder und aus Mitteln der EU.

Mit dem Green Deal kam 2022 eine zweite Säule hinzu: das Sustainability Reporting Board mit eigener technischer Expertengruppe. Seitdem gibt es bei EFRAG zwei getrennte Bereiche, einen für Finanzberichterstattung und einen für Nachhaltigkeitsberichterstattung, unter einem gemeinsamen Verwaltungsrat.

Was EFRAG konkret erarbeitet

  • ESRS Set 1: die zwölf themenübergreifenden und thematischen Standards zu Umwelt, Sozialem und Governance, die die Kommission 2023 übernommen hat.
  • Sektorstandards: branchenspezifische Ergänzungen, deren Zeitplan von der EU mehrfach nach hinten geschoben wurde.
  • VSME: der freiwillige, deutlich schlankere Standard für kleine und mittlere Unternehmen, die nicht berichtspflichtig sind, aber von Kunden und Banken nach Daten gefragt werden.
  • Vereinfachung: im Zuge des EU-Omnibus-Pakets wurde EFRAG beauftragt, die ESRS deutlich zu kürzen und die Zahl der Datenpunkte zu reduzieren.
  • Leitfäden und Q&A: Auslegungshilfen, etwa zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse, zur Wertschöpfungskette und zu Datenpunkten.

Bedeutung für Unternehmen

Für ein berichtspflichtiges Unternehmen ist EFRAG die Adresse, an der sich ablesen lässt, wohin die Reise geht. Entwürfe werden öffentlich zur Konsultation gestellt, jeder kann Stellung nehmen. Wer Berichtsprozesse aufbaut, sollte die Veröffentlichungen verfolgen, denn zwischen dem EFRAG-Entwurf und dem späteren Rechtsakt liegen oft Monate, in denen sich Details noch ändern.

Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Standardsetzern: Die GRI arbeitet international und freiwillig, das ISSB setzt Standards für die Kapitalmärkte weltweit. EFRAG hat mit beiden Interoperabilitätsvereinbarungen geschlossen, damit Unternehmen Daten nicht dreimal in unterschiedlicher Form aufbereiten müssen.

Kritik und offene Fragen

EFRAG steht seit Jahren in der Kritik, die Standards zu umfangreich und zu kleinteilig zu gestalten. Die Omnibus-Initiative der EU war auch eine Reaktion darauf. Zugleich mahnen Umweltverbände, dass Vereinfachung nicht zur Verwässerung führen dürfe. Wie schlank die endgültigen ESRS werden und wann die Sektorstandards kommen, ist bei Redaktionsschluss nicht abschließend entschieden. Wer betroffen ist, sollte den aktuellen Stand direkt auf efrag.org prüfen.

Fazit

EFRAG ist die technische Werkstatt der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Organisation entscheidet nicht selbst, prägt aber, welche Daten Unternehmen künftig erheben und veröffentlichen müssen. Wer die ESRS anwenden muss, kommt an EFRAG nicht vorbei.

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