ISSB – International Sustainability Standards Board

Nachhaltigkeitsstandards aus der Welt der Rechnungslegung

Das International Sustainability Standards Board, kurz ISSB, ist die jüngste der großen Standardsetzer-Organisationen und zugleich die mit dem stärksten Bezug zu den Finanzmärkten. Es wurde im November 2021 auf der Weltklimakonferenz in Glasgow gegründet und gehört zur IFRS Foundation, also zu derselben Stiftung, die die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS verantwortet. Ziel ist eine weltweit einheitliche Grundlage dafür, wie Unternehmen nachhaltigkeitsbezogene Risiken und Chancen gegenüber Investoren offenlegen.

Die Standards IFRS S1 und IFRS S2

Im Juni 2023 veröffentlichte das ISSB seine ersten beiden Standards:

  • IFRS S1 regelt die allgemeinen Anforderungen: Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen und Ziele für alle nachhaltigkeitsbezogenen Risiken und Chancen, die die Unternehmensbewertung beeinflussen können.
  • IFRS S2 konkretisiert das für klimabezogene Angaben, darunter Treibhausgasemissionen nach dem GHG Protocol in allen drei Scopes, Szenarioanalysen und Übergangspläne.

Beide Standards bauen auf den Empfehlungen der TCFD auf. Seit 2024 hat das ISSB deren Aufgaben übernommen. Die Anwendung ist für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2024 vorgesehen, allerdings nur dort, wo Staaten die Standards in ihr Recht übernehmen.

Blickrichtung: finanzielle Wesentlichkeit

Das ISSB fragt ausschließlich, welche Nachhaltigkeitsthemen für den Unternehmenswert relevant sind. Diese Sicht wird als finanzielle Wesentlichkeit oder „Outside-in“ bezeichnet. Die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft, der Kern der GRI-Logik, sind nicht Gegenstand der ISSB-Standards. Die europäischen ESRS gehen weiter und verlangen beide Blickrichtungen.

Wer die ISSB-Standards anwendet

Zahlreiche Länder haben die Übernahme angekündigt oder umgesetzt, darunter Großbritannien, Australien, Japan, Singapur, Brasilien und Kanada, teils mit Anpassungen. Die EU hat sich nicht für IFRS S1 und S2 entschieden, sondern für die eigenen ESRS. EFRAG und ISSB haben aber eine Interoperabilitätsvereinbarung geschlossen, sodass ein ESRS-Bericht die klimabezogenen Anforderungen des ISSB weitgehend abdeckt. Für europäische Unternehmen mit Börsennotierung außerhalb der EU ist das relevant, weil sie sonst zwei Berichte erstellen müssten.

Bedeutung für deutsche Unternehmen

Unmittelbar verpflichtend sind die ISSB-Standards in Deutschland nicht. Mittelbar wirken sie über drei Wege: über Investoren, die Angaben nach IFRS S2 verlangen, über Tochtergesellschaften in Ländern, die die Standards eingeführt haben, und über die Angleichung der ESRS an das ISSB-Rahmenwerk. Wer Klimadaten nach ESRS aufbereitet, sollte die Struktur von IFRS S2 kennen, um Doppelarbeit zu vermeiden.

Fazit

Das ISSB ist der Versuch, Nachhaltigkeitsberichterstattung weltweit so zu standardisieren wie die Finanzberichterstattung. Sein Fokus liegt auf Investoren und Klimarisiken. Für Europa bleibt die ESRS maßgeblich, die ISSB-Standards sind der internationale Anschluss.

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