Emissionshandel

Industrieanlage mit Schornsteinen und Windräder am Horizont

CO₂ bekommt einen Preis

Der Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutzinstrument der Europäischen Union. Die Idee: Wer Treibhausgase ausstößt, braucht dafür Berechtigungen, und die Gesamtmenge dieser Berechtigungen sinkt Jahr für Jahr. Das Prinzip heißt Cap and Trade, Obergrenze und Handel. Die Obergrenze sorgt dafür, dass das Klimaziel erreicht wird, der Handel dafür, dass Emissionen dort vermieden werden, wo es am günstigsten ist. Für Unternehmen bedeutet das: CO₂ ist ein Kostenfaktor, dessen Preis am Markt entsteht.

Der EU-Emissionshandel (EU-ETS)

Der europäische Emissionshandel startete 2005 und erfasst rund 10.000 Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie, dazu den innereuropäischen Luftverkehr und seit 2024 schrittweise die Seeschifffahrt. Jede Anlage muss ihre Emissionen messen, von einem Prüfer verifizieren lassen und bis zum Stichtag die entsprechende Zahl an Zertifikaten abgeben. Ein Zertifikat berechtigt zum Ausstoß einer Tonne CO₂-Äquivalent. Die Zertifikate werden überwiegend versteigert, ein Teil wird der Industrie kostenlos zugeteilt, um Abwanderung in Länder ohne CO₂-Preis zu verhindern. Diese kostenlose Zuteilung wird bis Mitte der 2030er-Jahre abgeschmolzen.

Der Preis hat sich seit 2018 vervielfacht und lag zuletzt meist zwischen 60 und 90 Euro je Tonne. Weil die Obergrenze weiter sinkt, rechnen die meisten Prognosen langfristig mit steigenden Preisen.

Nationaler Emissionshandel und ETS 2

Für Bereiche außerhalb des EU-ETS, vor allem Heizen und Straßenverkehr, gilt in Deutschland seit 2021 der nationale Emissionshandel nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz. Verpflichtet sind hier nicht die Verbraucher, sondern die Unternehmen, die Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel in Verkehr bringen. Der Preis war zunächst gesetzlich festgelegt und steigt jährlich; er wird über die Energiepreise an Haushalte und Unternehmen weitergegeben.

Auf europäischer Ebene ist ein zweites System, der ETS 2, für Gebäude und Verkehr beschlossen. Der Start war für 2027 geplant, über eine Verschiebung um ein Jahr wurde auf EU-Ebene beraten. Mit dem Start soll der nationale Emissionshandel in das europäische System übergehen.

CBAM: der CO₂-Grenzausgleich

Damit europäische Hersteller nicht gegenüber Importen aus Ländern ohne CO₂-Preis benachteiligt werden, führt die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM ein. Importeure von Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemitteln, Wasserstoff und Strom müssen für die im Produkt enthaltenen Emissionen Zertifikate erwerben. Nach einer Übergangsphase mit reiner Berichtspflicht beginnt 2026 die Zahlungspflicht. Betroffen sind damit auch Handels- und Industrieunternehmen, die selbst gar nicht unter den EU-ETS fallen, aber solche Waren importieren.

Zuständigkeit in Deutschland

Zuständige Behörde ist die Deutsche Emissionshandelsstelle, kurz DEHSt, angesiedelt beim Umweltbundesamt in Berlin. Sie führt das nationale Emissionshandelsregister, prüft Emissionsberichte, teilt Zertifikate zu und überwacht sowohl den EU-ETS als auch den nationalen Emissionshandel und den CBAM. Wer eine Anlage betreibt oder Brennstoffe in Verkehr bringt, meldet sich dort an.

Bedeutung für Unternehmen außerhalb des Systems

Auch wer keine Zertifikate abgeben muss, spürt den Emissionshandel: über Strom- und Wärmepreise, über Rohstoffe wie Stahl und Zement, über Frachtkosten und künftig über CBAM-Importe. In der CSRD-Berichterstattung und in TCFD-Analysen gehört der CO₂-Preis deshalb zu den wichtigsten Übergangsrisiken. Wer seine Emissionen nach dem GHG Protocol kennt, kann abschätzen, was steigende Preise für die eigene Kostenstruktur bedeuten.

Fazit

Der Emissionshandel macht Klimaschutz zu einer betriebswirtschaftlichen Größe. Mit ETS 2 und CBAM weitet die EU das Prinzip auf weitere Sektoren und auf Importe aus. Für die meisten Unternehmen ist der CO₂-Preis damit keine ferne Regulierung mehr, sondern ein Posten in der Kalkulation.

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