TCFD und TNFD

Zwei Rahmenwerke, ein Prinzip

TCFD und TNFD sind zwei Abkürzungen, die in Nachhaltigkeitsberichten, Rating-Fragebögen und Regulierungstexten ständig auftauchen. Beide stehen für Arbeitsgruppen, die Empfehlungen entwickelt haben, wie Unternehmen über Risiken und Chancen berichten sollen, die sich aus Klimawandel beziehungsweise Naturverlust ergeben. Die Logik dahinter: Investoren und Kreditgeber sollen erkennen können, wie stark ein Unternehmen von diesen Entwicklungen betroffen ist.

TCFD: Task Force on Climate-related Financial Disclosures

Die TCFD wurde 2015 vom Finanzstabilitätsrat der G20 eingesetzt und veröffentlichte 2017 ihre Empfehlungen. Diese gliedern sich in vier Säulen, die seither das Grundgerüst fast aller Klimaberichterstattung bilden:

  • Governance: Wer im Unternehmen ist für Klimafragen verantwortlich, wie ist die Aufsicht organisiert?
  • Strategie: Welche klimabezogenen Risiken und Chancen gibt es kurz-, mittel- und langfristig, und wie widerstandsfähig ist die Strategie in verschiedenen Klimaszenarien?
  • Risikomanagement: Wie werden Klimarisiken identifiziert, bewertet und gesteuert?
  • Kennzahlen und Ziele: Welche Messgrößen werden verwendet, darunter Emissionen nach dem GHG Protocol, und welche Ziele hat sich das Unternehmen gesetzt?

Unterschieden wird zwischen physischen Risiken, etwa Hochwasser oder Hitze, und Übergangsrisiken wie CO₂-Preisen, neuen Vorschriften oder veränderter Nachfrage. Die TCFD hat ihre Arbeit 2023 beendet; die Überwachung der Umsetzung liegt seitdem beim ISSB, dessen Standard IFRS S2 die Empfehlungen vollständig übernimmt. Auch die ESRS und der CDP-Fragebogen folgen dieser Struktur.

TNFD: Taskforce on Nature-related Financial Disclosures

Die TNFD überträgt das Prinzip auf die Natur. Sie wurde 2021 gegründet und veröffentlichte im September 2023 ihre endgültigen Empfehlungen. Betrachtet werden Abhängigkeiten und Auswirkungen in Bezug auf Wasser, Boden, Biodiversität und Ökosystemleistungen. Die vier Säulen der TCFD werden übernommen und um Angaben zu Standorten mit besonders empfindlichen Ökosystemen ergänzt.

Kern der TNFD ist der LEAP-Ansatz zur Bewertung: Locate (Wo berührt das Unternehmen die Natur?), Evaluate (Welche Abhängigkeiten und Auswirkungen bestehen dort?), Assess (Welche Risiken und Chancen ergeben sich?) und Prepare (Wie wird darauf reagiert und berichtet?). Die Anwendung ist freiwillig, wird aber von immer mehr Unternehmen und Finanzinstituten angekündigt. Die ESRS E4 zur Biodiversität greifen die TNFD-Logik auf.

Bedeutung für Unternehmen

Wer nach ESRS oder IFRS S2 berichtet, arbeitet automatisch mit der TCFD-Struktur. Auch Banken fragen bei Kreditvergaben zunehmend nach Klimarisiken in dieser Gliederung. Die TNFD ist noch jung, wird aber für Unternehmen mit hohem Flächen- oder Rohstoffbezug, etwa in Landwirtschaft, Lebensmittel, Bau und Chemie, schnell relevant. Frühzeitig zu prüfen, wo das eigene Geschäft von intakter Natur abhängt, ist deshalb auch ohne Pflicht sinnvoll.

Fazit

TCFD und TNFD haben die Berichterstattung über Klima- und Naturrisiken standardisiert. Die TCFD ist inzwischen in verbindliche Standards übergegangen, die TNFD auf dem Weg dorthin. Wer beide Rahmenwerke versteht, versteht den Aufbau moderner Nachhaltigkeitsberichte.

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